Haare hochstecken so einfach wie nie

STARTUP Die Ebano Design GmbH aus Waiblingen hat die Haarspange perfektioniert.

Ältere mögen sich erinnern: Vor Corona traf man sich mit Kollegen beim sogenannten „After Work“ zum Feierabend-Drink. Dabei wurde über all das philosophiert, was in den acht Stunden davor zu kurz kam. Gern auch über das Thema „Was machen wir noch aus unserem Leben.“ Bianca Triulzi, Wirtschaftsinformatikerin aus Waiblingen hatte darauf eine Standardantwort: „Wenn ich was mache, dann mit einer unsichtbaren Haarspange“. Schließlich war die Frau mit den langen, dünnen Haaren Vertriebsleiterin einer Stuttgarter Softwarefirma und konnte sich keinen Bad-Hair-Day leisten.

Bisher nahmen die Gesprächspartner das ohne großes Interesse zur Kenntnis. Bis zu jenem Abend im November 2017 als sie mit ihrem Kollegen Thomas Traub zusammensaß. „Hört sich gut an. Das machen wir“, entschied er spontan.

Ab diesem Zeitpunkt trafen sich die bei-den IT-Spezialisten ein- bis zweimal pro Woche zum „Pinseln, Biegen, Basteln“, um die ideale Haarspange zu entwickeln. Mehr als 40 konventionelle Spangen mussten dran glauben, bis das erste Modell fertig für den 3-D-Druck war. Heraus kam eine Klammer, die dank eines versenkbaren Haarnadelsystems besonders gut hält und auch in weniger üppiger Haarpracht verschwindet. „Doouup“ heißt sie. „Das kommt von „updo“ für Hochsteckfrisuren“, erklärt Triulzi, „aber ein bisschen sieht der Schriftzug auch wie unsere Klammer aus“.

Doch gab es so etwas nicht vielleicht schon? Eine Recherche im Haus der Wirtschaft ergab: nein! Damit das so blieb, suchte sich das Duo einen Patentanwalt. „Der saß erst ganz gelangweilt auf seinem Stuhl, doch je mehr wir erzählten, desto begeisterter wurde er“, erinnert sich Triulzi: „Endlich mal ein Fertigprodukt statt immer nur die letzte Schraube an einer Maschine“, habe er sich gefreut.

Am 17. Mai wurde das Patent angemeldet, inzwischen auch für Europa, China und die USA. Gleichzeitig meldeten Triulzi und Traub die Ebano Design GmbH an, denn sie wollten das Patent selbst vermarkten. Wieso nicht Doouup GmbH? „Wir haben so viele Ideen, da wird es sicher noch weitere Produkte geben“, verspricht die Gründerin.

Als Schutzrecht und GmbH in trockenen Tüchern waren, glaubten die Gründer, das Gröbste überstanden zu haben und Weihnachten auf dem Markt zu sein. In Wahrheit ging es jetzt erst richtig los: die Haarklammer musste serientauglich werden. Doch aus welchem Material? Wie filigran? Und wer stellt das Produkt her? Die Suche nach dem geeigneten industriellen Partner wurde noch dadurch erschwert, dass die beiden trotz Patent höchst vorsichtig vor-gingen, um ja keine Nachahmer zu ermutigen. So dauerte es bis November 2019, bis alle Fragen zufriedenstellend gelöst und die ersten 50 Stück produziert waren.

Trotzdem reichte es auch für dieses Weihnachtsgeschäft zeitlich nicht: Ein Web-shop musste her. Für eine Wirtschaftsinformatikerin und einen Softwarearchitekten eigentlich kein Problem, meinten die bei-den – und waren überrascht, welche Herausforderung das noch einmal war. Natürlich nicht nur die Technik an sich, sondern auch der Inhalt: Models mussten gefunden, Fotos geschossen, Erklärfilme gedreht und Social Media bespielt werden. Denn zunächst wollen die beiden das Produkt über den eigenen Shop vertreiben, gern allerdings auch über Parfümerien und die  Friseur- und Hochzeitsschiene. Seit letztem Herbst ist die Spange jetzt auf dem Markt.

Wäre nicht die „Höhle der Löwen“ die ideale Plattform, um das Produkt bekannt zu machen? So begeistert und authentisch, wie Triulzi und Traub ihre Geschichte erzählen, könnte man sie sich prima in der Vox-Sendung vorstellen. Bianca Triulzi fände das einerseits reizvoll, andererseits aber für ihre Zielgruppe nicht so günstig: „Wir wollen nicht in die Drogeriemärkte, sondern allenfalls in den höher- wertigen Einzelhandel“, erzählt sie. Und die Welle der Aufregung, die kürzlich über zwei jungen Gründern zusammenschlug, schreckt sie ab: „Bisher haben wir zum Glück fast nur positive Resonanz und so gut wie gar keine Retouren“, freut sich die Geschäftsfrau, die 70 Prozent der Geschäftsanteile hält.

Und einen Deal braucht sie eigentlich auch nicht. Bisher ist alles eigenfinanziert: „Es ist ein Riesenvorteil, dass ich schon ein langes Arbeitsleben im Rücken habe“, freut sich die 52-Jährige. Sogar ihren Job konnte sie auf 20 Prozent reduzieren, denn das Unternehmen ist jetzt an einem Punkt angekommen, wo es „nebenher nicht mehr funktioniert“.

Ganz zu kündigen kam dann aber doch nicht in Frage – sonst gäbe es ja kein After- Work mehr, um weitere Ideen zu entwickeln.

DR. ANNJA MAGA, Redaktion Magazin Wirtschaft annja.maga@stuttgart.ihk.de

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